MeshCore-BBS
Ein schwarzes Brett im Funknetz: die MeshCore-BBS
Wer im MeshCore-Ökosystem unterwegs ist, kennt das Prinzip: kleine LoRa-Funkgeräte, die sich ohne Mobilfunk und ohne Internet zu einem vermaschten Netz zusammenschließen. Was bisher fehlte, war ein gemeinsamer Ort — ein digitales schwarzes Brett, an dem man etwas hinterlässt, das andere später abholen. Genau das ist die MeshCore-BBS: ein Bulletin-Board-System, das komplett über das Funknetz bedient wird. Das Konzept erinnert an die Mailbox-Ära der 80er und 90er — nur läuft die Verbindung heute nicht über ein kreischendes Modem, sondern über ein Funkgerät mit ein paar Milliwatt im 868-MHz-Band.
Wie man die BBS erreicht
Der wichtigste Punkt zuerst: Man braucht keine App, kein Konto und keine besondere Software. Wer ein MeshCore-Gerät besitzt und damit Direktnachrichten verschicken kann, kann die BBS nutzen.
Die BBS selbst hängt an einem MeshCore-Gerät mit Companion-Firmware, angebunden an einen kleinen Rechner, auf dem die Logik läuft. Für den Nutzer draußen im Netz ist dieser Unterbau unsichtbar — er sieht nur einen weiteren Knoten mit einem Namen wie „📬 BBS". Bedient wird alles über Direktnachrichten mit Befehlen, die mit einem Ausrufezeichen beginnen: Man schickt !help, die BBS antwortet mit einer Liste der Kommandos. Von da an ist alles ein Frage-und-Antwort-Spiel.
Dieses abrufbasierte Prinzip ist für ein Funknetz goldrichtig. Sendezeit ist ein knappes Gut — die Datenraten sind winzig, und alle teilen sich dasselbe Band. Würde die BBS Beiträge aktiv an alle verteilen, wäre das Netz schnell verstopft. Stattdessen liegt jede Nachricht ruhig in der Datenbank, bis sie jemand anfordert. Damit man die BBS überhaupt findet, kündigt sie sich zu festen Zeiten selbst an und taucht so in der Kontaktliste der anderen Geräte auf.
Wie man die BBS benutzt
Der Alltag dreht sich um zwei Dinge: Räume und private Nachrichten.
Räume sind thematische Bretter. Mit !rooms sieht man, welche es gibt, mit !join lobby betritt man einen, mit !post Hallo! hinterlässt man einen Beitrag, mit !read holt man die neuen Beiträge ab. Die BBS merkt sich pro Nutzer, was schon gelesen wurde, sodass man nur Neues bekommt. Einen Tippfehler zieht man mit !undo innerhalb einer Frist zurück.
Der zweite Bereich sind persönliche Nachrichten. Die BBS funktioniert wie ein Briefkasten: Mit !msg Peter Hallo! hinterlegt man eine Nachricht für Peter. Ist er nicht erreichbar, wartet sie, bis er das nächste Mal !inbox abfragt. Auf die zuletzt gelesene Nachricht antwortet man mit !reply. Diese Speichern-und-Weiterleiten-Funktion überbrückt, dass in einem Funknetz nie garantiert ist, dass zwei Leute gleichzeitig online sind.
Drumherum gibt es Komfortbefehle: !who und !users zeigen, wer aktiv ist, !search durchsucht Beiträge, !ping verrät Signalstärke und die Zahl der Zwischenstationen. Für den Betreiber gibt es ein separates Verwaltungswerkzeug. Wichtig dabei: Verwaltungsbefehle gibt es bewusst nicht über das Funknetz — wer administrieren will, braucht Zugriff auf den Rechner. Das schließt einen ganzen Angriffsvektor von vornherein aus.
Der ausführliche Befehlssatz kann hier nachgelesen werden.
Die Vor- und Nachteile
Keine Infrastruktur nötig. Die BBS lebt vollständig im Mesh — kein Internet, kein Mobilfunk, kein zentraler Server. Das macht sie interessant, wo die gewohnte Infrastruktur fehlt oder ausfällt.
Niedrige Hürde für Nutzer. Alles läuft über normale Direktnachrichten. Wer sein Gerät bedienen kann, kann die BBS bedienen; die Befehle sind kurz und einprägsam.
Funkschonend durch Design. Abrufprinzip, Obergrenzen pro Abruf, ein Ratenlimit pro Nutzer — all das respektiert die knappe Sendezeit und das Gesamtnetz.
Zuverlässige Zustellung. Nachrichten gelten erst als gelesen, wenn sie erfolgreich gesendet wurden. Schlägt eine Übertragung fehl, bleibt der Beitrag stehen — man verliert nichts, nur weil das Signal kurz schlecht war.
Verschlüsselter Transport. Die Direktnachrichten zwischen Nutzer und BBS sind durch MeshCore selbst verschlüsselt; Zwischenknoten leiten nur unlesbaren Verkehr weiter.
Offen und erweiterbar. Der Quellcode ist frei, sauber strukturiert und gut getestet, ein Docker-Abbild macht den Betrieb auf einem NAS unkompliziert. Die Oberfläche gibt es wahlweise auf Deutsch.
Sendezeit bleibt der Flaschenhals. Die Physik von LoRa lässt sich nicht wegzaubern: Antworten kommen in kleinen Häppchen, längere Listen über mehrere Nachrichten mit Pausen. Die BBS ist eher Briefeschreiben als Instant Messaging.
Kurze Nachrichten. Jede Funknachricht ist auf wenige Dutzend Zeichen begrenzt — ausführliche Beiträge zerfallen zwangsläufig in mehrere Teile.
Nach dem Empfang nicht zurückholbar. Eigene Beiträge kann man löschen — aber nur, solange sie noch niemand abgeholt hat. Was einmal beim Empfänger gelandet ist, bleibt dort.
Namen sind keine verlässliche Identität. Anzeigenamen im Mesh sind frei wählbar und nicht eindeutig. Die BBS fängt das ab, indem sie im Zweifel den öffentlichen Schlüssel als Identität heranzieht.
Für wen sich das lohnt
Die MeshCore-BBS richtet sich an lokale Funk-Communities, die einen gemeinsamen Treffpunkt suchen, an Bastler, die gern experimentieren, und an alle, die den Reiz eines Systems ohne zentrale Infrastruktur verstehen. Sie ist kein Ersatz für den Gruppenchat auf dem Smartphone und will das auch nicht sein. Sie ist etwas Eigenständiges: langsam, bewusst genügsam, ein wenig nostalgisch — ein schwarzes Brett, das auch dann noch funktioniert, wenn das Internet längst weg ist.
Weitere Informationen zum Projekt sind hier zufinden.